"DAS MAL DER MACHT
CHIP-SKLAVEN 2050"

Das E-Book umfasst mehr als 540.000 Zeichen - Die Printversion hat 300 Seiten


ie Story beginnt mit einer Freudenparty. Im Jahre 2038 wird unser blauer Planet vor dem totalen Kollaps, vor der Kollision mit einem Asteroiden, gerettet. Die ganze Welt feiert. Alle Menschen sind Freunde geworden. Doch dann folgt die Katastrophe. Ein halbes Land in Mitteleuropa wird ausgelöscht. Hätte sich die Katastrophe von den drei führenden Weltmächten verhindern lassen oder war sie gewünscht?

Die Social-Fiction-Story spielt auf dem Nährboden der heutigen Realität, die bereits in vielen Bereichen eine verdeckte Kontrolle der Gesellschaft erfährt und dabei ihr Gesicht mit Begriffen wie Nächstenliebe, Gemeinwohl und Lebensqualität tarnt. Das Buch richtet sich an überlegene Köpfe, denen nicht egal ist, was mit uns und um uns herum passiert ... heute und in der Zukunft.

Sue Romanfiguren


Die Hauptdarsteller in Das Mal der Macht Die Hauptdarsteller in Das Mal der Macht

Leseprobe


*** Und der erste Engel ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde, und es ward ein böses und arges Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und die sein Bild anbeteten. (Offenbarung 16,2) ***

Unsere Erde ist gerettet

Das Jahr 2038: Party global. Tage- und nächtelange Freudenfeste, einen Monat lang. Die Welt hatte eine solche Euphorie noch nicht erlebt. Die Menschen liegen sich in den Armen, noch nie war eine größere und innigere Liebe zu spüren. Sinnestaumel, Freudentränen und Harmonie wo man hinsieht. Überall auf dem Globus feiern die Menschen die Rettung unseres Planeten, sie alle sind über Nacht Freunde geworden - schwarz, weiß, braun, rot, gelb … was zählt die Hautfarbe, die Nationalität, die ethnische Ausrichtung? Was zählt ist: Leben!

Eine globale Umarmung lässt die Menschheit in Glückseligkeit schweben, die Liebe zu unserem Planeten verbindet über alle physischen und psychischen Grenzen hinweg.

Um die sprichwörtliche Haaresbreite ist unser Heimatplanet an einer alles vernichtenden Apokalypse vorbeigeschlittert. Der Asteroid "Chikan" raste mit einer Geschwindigkeit von annähernd 12.000 km pro Stunde auf uns zu und würde bei einem Aufprall unseren bisher blauen Planeten in eine rote Feuerkugel verwandeln. Die totale Vernichtung allen organischen Lebens drohte. Eine Kollision schien unausweichlich. Sieben angstvolle Tage waren es - entweder bis zum Inferno oder bis zum Freudenfest. Praktisch "in letzter Minute" gelang unserer globalen Asteroiden-Abwehr die Zertrümmerung des gigantischen Gesteinsbrockens mittels Atomraketen gut zweieinhalb Millionen Kilometer vor unserer Hemisphäre.

Alle irdischen Sorgen sind vergessen. Die Medien sind voll von erfreulichen Meldungen. Goodnews statt Badnews. Auch die Wirtschaftswelt hat sich auf das einmalige Ereignis eingestellt und vermarktet es. Kein Produkt, keine Verpackung, kein Verkaufsvorteil mehr ohne einen Hinweis auf die Freude über den Fortbestand unserer Erde.

Eventveranstalter starten gigantische Kampagnen und offerierten Freundschaftsparties, Länder-, Kontinent- und Weltreisen.

"Komm' mit auf unsere Party-Tournee rund um unsere schöne Welt!" - "Genieße unsere einmalige Erde, lass' die Herzen eins werden, fühle den freudigen Pulsschlag des Anderen." - "Jeder Tag ist es wert, ihn in vollen Zügen zu genießen!"

Alle sollen auf ihre Kosten kommen, für jeden ist was dabei. World-Joy-Tours macht es möglich! Joy comfort. Joy business. Joy premium. Joy first class.

Doch die Seelen verbindende Freude soll nur 28 Tage dauern.

Freudenparty mit Feuerregen

Die Freundesgruppe fliegt in einem Oktibus der neuesten Generation, ein Land-Luft-Flugzeug mit kreisförmigem Rumpf, wie eine Torte aussehend, mit acht Rotoren auf dem Dach sowie vier Räderpaaren unter seinem Carbonkörper. Der Oktibus kann senkrecht starten und landen und besitzt, wie viele Flugzeuge heute ein intelligentes Kommunikations- und Energiemanagement, das den Oktibus zum Beispiel selbständig in die Kette anderer Flugkörper einreihen kann.

Zwar fehlt im Technomanagement der Oktibusse der Lustfaktor eines Tanzes, dagegen ist die Energieeinsparung durch Reduzierung des Luftwiderstandes gewachsen und Unfälle sind praktisch auf Null gesunken. Kontinuierlich kommunizieren die Flugkörper miteinander, gleichen die Daten, das Ziel, den Flugkanal, die Wunschgeschwindigkeit ab. Ein chinesischer Hersteller von Air-Omnis hat speziell für das Reisen in Polonaise einen Frontliner entwickelt, der seitlich, oben und unten Flügel ausfahren kann, wodurch sich der Luftwiderstand für die hinteren Flugkörper vermindert. Der Effekt: Energieeinsparung und Schalldämmung.

Der Ausblick ist fantastisch. Die Panoramafenster lassen einen Ringsumblick zu. Neben, unter und über dem eigenen Flugkanal fliegen weitere Züge, die Fans und Gäste winken einander zu oder laden sich gegenseitig zum virtuellen Mitfeiern über die Beamerwalls ein.

Zwischen den einzelnen Flugkanälen ist ein geringer, etwa einhundert Meter messender Abstand, denn die gps- und chipgesteuerten Maschinen halten exakt ihren Kurs. Aus Sicherheitsaspekten wurden die Flugkanäle für die Dauer der Welt-Party um fünfhundert Feet nach oben verlegt, um so außer Reichweite der abertausenden Feuerwerke zu sein.

"Wie viele Milliarden werden wohl in diesem Monat in der Luft verpulvert?", sinniert John, sein Blick wandert über das Lichtermeer am Boden. "Soviel, dass die Industrie auch Freudentänze veranstalten kann." Die Antwort kommt von Bob. Beide ahnen nicht, dass sich der Freudenfunkenteppich wie ein Kinderspiel ausmacht im Vergleich zu dem Feuerregen, der bald mit überirdischer Macht folgt. Die Stimmung ist entspannt. Vier Wochen Bühnenpräsenz fordern ihren Tribut. Die Freunde relaxen, sie genießen das ruhige Dahingleiten und den Abstand zu der feiernden Menge am Boden.

"Noch vierhundert Meilen bis zum Heimatdock", tönt es leise aus den Boxen. Claire und Asuma, die beiden jüngsten Crewmitglieder juckt es in den Beinen, sie schauen sich an und wie auf Kommando ergreifen sie ihre Bodymikros, um eine Sondervorstellung zum Besten zu geben.

Soweit kommt es nicht, denn statt ihrer tänzerischen Darbietung drängt sich eine eigenartige Klangerscheinung in den Vordergrund.

"He, was ist das, hört ihr das??" Asuma wendet sich an Emilio. "Dreh doch mal den Sound runter!" Sie verharren drei, vier Sekunden und horchen. "Ach, nur ein Gewitter ...", meint Claire. "Nein, nein, seid mal still, Leute ..." Widger, der Pilot, wünscht es sich. Die Diskussionen verstummen.

Ein mächtiges Grollen, das der Warnung eines in seinem Mittagsschlaf gestörten wilden Tieres aus der Tiefe seiner Höhle gleichkommt, nähert sich schnell. Begleitet wird das Dröhnen von unaufhaltsam anschwellenden Vibrationen, die sich bald des gesamten Flugkörpers bemächtigen. >>>

Angstvolle und fragende Blicke bleiben ohne Antwort. Eine Bedrohung ohne Gesicht ist furchteinflößend. Der einzige Gedanke ist: festhalten. Plötzlich wird der vor dem Oktibus fliegende Helikopter wie von Geisterhand aus dem Flugkanal gerissen und gut hundert Yards nach oben geschleudert, überschlägt sich auf seinem Schleuderkurs einige Male, prallt gegen das Leitfahrzeug eines anderen Zuges, ein, zwei, drei Explosionen folgen, die brennenden Restteile schießen nach allen Seiten, treffen weitere Flugkörper, welche Feuer fangen oder auseinanderbrechen. Ein Feuerregen, vermischt mit qualmenden Wrack- und zerrissenen Menschenkörpern prasselt auf die darunter fliegenden Objekte. >>>

Viele noch vor wenigen Minuten harmonisch in ihrer organisierten Bahn dahingleitenden Flugkörper brennen, speihen Feuer aus ihren Bäuchen, kollidieren mit anderen Maschinen oder umherfliegenden Wrackteilen, um dann wie metallene Fackeln auf dem Erdboden aufzuschlagen. So muss es in der Empfangshalle der Hölle aussehen. Rauchfontänen, die ihr Gift hoch in die Atmosphäre pusten und im Sekundentakt immer wieder Detonationen, berstende Flugkörper, es regnet Metall und menschliche Körperteile, Arme, Beine, Torsen von bis vor einer Viertelstunde noch in Freuden taumelnden, fröhlichen Menschen.

Das Tageslicht hat sich weitgehend verabschiedet, nur zwischen den schwärzlichen Rauchwolken dringt ab und an ein heller Fleck durch, das einen fernen, blauen Himmel erahnen lässt. Das Anlanden in der Heimatregion ist unmöglich. Niemand von den Freunden weiß zur Stunde, was genau sich abgespielt hat. Dass eine Katastrophe mit gigantischem Ausmaß fast ein halbes Land in Mitteleuropa dem Erdboden gleichgemacht hat, werden sie später erfahren.

Das geschah 2038, vor zwölf Jahren.

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